LV Saarland - Landessportverband

23.01.2018

Landessportverband

Der Landessportverband des Saarlandes schreibt seit Jahren erhebliche Verluste.
Das ergibt sich aus den uns vorliegenden Prüfungsberichten der Wirtschaftsprüfer für die Jahre 2008 bis 2014. Daraus lässt sich folgendes ableiten:

a) Buchführung

Die Buchführung des LSVS weist eine Besonderheit auf: Investitionen in Gebäude, die auf fremdem Grund und Boden errichtet sind, und Einrichtungen der Hermann Neuberger Sportschule und Mensa behandelt der Verband in voller Höhe als Betriebsausgabe. Diese Vorgehensweise halten wir nicht für HGB-konform. Die korrekte Bilanzierung wäre gewesen, die Anschaffungs- und Herstellungskosten im Anlagevermögen zu aktivieren, um sie dann über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer verteilt abzuschreiben. Die vom LSVS angewandte Vorgehensweise führt in der Regel dazu, dass die Ertragslage in Investitionsjahren zu schlecht und in investitionslosen Jahren wegen zu niedriger Abschreibungen zu gut dargestellt wird.
Ebenso ist die Vermögenslage, die zum 31.12.2014 ein Fehlkapital von 23,8 Mio. Euro ausweist, um den Buchwert der nicht aktivierten Gebäude und Einrichtungen der Hermann Neuberger Sportschule und Mensa (27,2 Mio. Euro zum 31.12.2014) zu erhöhen. So verbessert sich die Vermögenslage von minus 23,8 Mio. Euro auf plus 3,4 Mio. Euro.
Der Abschlussprüfer hat auf diese Tatsache in seinem einschränkenden Bestätigungsvermerk zu Recht hingewiesen.

Korrigiert man die Ergebnisse der einzelnen Jahre um die Investitionen und Abschreibungen, ergibt sich folgendes Bild:

2014: Festgestelltes Ergebnis: -753 TEuro, korrigiert -2.001 TEuro
2013: Festgestelltes Ergebnis: -312 TEuro, korrigiert -1.518 TEuro
2012: Festgestelltes Ergebnis:-2.116 TEuro, korrigiert-2.566 TEuro
2011: Festgestelltes Ergebnis:-8.225 TEuro, korrigiert-1.455 TEuro
2010: Festgestelltes Ergebnis:-3.067 TEuro, korrigiert - 696 TEuro
2009: Festgestelltes Ergebnis: -826 TEuro, korrigiert-1.456 TEuro
2008: Festgestelltes Ergebnis: +156 TEuro, korrigiert - 112 TEuro

Aufaddiert ergibt sich ein Ergebnis von minus 15.142 TEuro bei den festgestellten Ergebnissen gegenüber minus 9.803 TEuro bei den korrigierten Ergebnissen

Betrachtet man die Finanzlage, so lassen sich folgende Cash-flow-Zahlen den Berichten entnehmen:

2014 Cash-flow: -697 TEuro
2013 Cash-flow: +186 TEuro
2012 Cash-flow: -1.115 TEuro
2011 Cash-flow: +548 TEuro
2010 Cash-flow: -21 TEuro
2009 Cash-flow: -381 TEuro
2009 Cash-flow: -2.454 TEuro

In der Summe belaufen sich die Zahlen auf ein Minus von 3.931 TEuro.

b) Das Defizit und seine Ursachen

Unabhängig davon, welche Methode der Ergebnisermittlung Anwendung findet, hat der LSVS erhebliche Verluste erzielt. Und das nicht erst in jüngster Zeit, sondern schon über einen längeren Zeitraum hinweg. Im ersten Fall ergibt sich ein aufsummierter Verlust von über 15 Mio. Euro, im zweiten Fall sind es 9,8 Mio. Euro. An finanziellen Mitteln wurden im gleichen Zeitraum fast 4 Mio. Euro aufgewendet. Dennoch waren die Verantwortlichen im Verband im Dezember ganz überrascht von dem urplötzlich entstandenen Finanzloch von rd. 5 Mio. Euro.

Da stellt sich die Frage, ob denn die Mitglieder des Präsidiums, die gem. § 9 der Satzung für die Vorprüfung des Jahresabschlusses zuständig sind, überhaupt in die Prüfungsberichte des Wirtschaftsprüfers hineingeschaut haben. Offensichtlich nicht, ansonsten wären Sie über die Verlustsituation informiert gewesen. Und wenn doch, dann weiß man vielleicht nicht, dass Verluste Geld kosten.

Auch für den Präsidenten Klaus Meiser war die Defizitsituation wohl eine Überraschung, obwohl der uns vorliegende Jahresabschluss zum 31.12.2014 unter der Position Jahresfehlbetrag minus 753.486,70 Euro seine Unterschrift trägt.

In der vom LSVS am 05.01.2018 veröffentlichten klarstellenden Erklärung wird als Ursache des Defizits „ein systematischer Planungsfehler im Wirtschaftsplan der Hermann-Neuberger-Sportschule“ genannt und als Schuldiger wird der Geschäftsführer Paul Hans ausgemacht. Hierzu muss man wissen, dass Jahresdefizite zunächst nichts mit Wirtschaftsplänen zu tun haben. Ein Wirtschaftsplan besteht aus geschätzten Soll-Werten, die in der Zukunft liegen und oftmals um Budgets ergänzt werden. Die jährlichen Defizite in den Jahresabschlüssen basieren auf den Ist-Werten der Buchführung und sind somit vergangenheitsorientiert. Erst dann, wenn aufgrund eines falschen Wirtschaftsplanes mehr Geld ausgegeben wird, als tatsächlich zur Verfügung steht, führt dies zu einem Defizit auch im nächsten Jahresabschluss. Dann müssen aber auch gleichzeitig übliche Kontrollmaßnahmen wie ein Soll-Ist-Vergleich, mit dem die Haushaltszahlen mit denen des Jahresabschlusses verglichen werden, scheitern. Ansonsten wären die Planungsfehler ja offenbar geworden. Oder aber es gibt diese Kontrollmaßnahmen überhaupt nicht.
Spätestens aber mit Vorlage des Jahresberichtes des Wirtschaftsprüfers mit den erheblichen Jahresdefiziten hätte man stutzig werden müssen. Hier sind die Verantwortlichen – und das ist lt. Satzung nun mal das Präsidium – eindeutig ihren Pflichten nicht nachgekommen. Eine Kostenkontrolle und –anpassung hat es offensichtlich nicht gegeben.

Auf der Einnahmeseite kann der Verband nichts verändern. Haupteinnahmequelle ist das sogenannte Sportachtel, wonach dem LSVS 12,5% der Einsätze aus dem Lotteriebetrieb von Saartoto zustehen. So wurde Geld im saarländischen Sport verteilt, das der LSVS gar nicht hatte.

Der Bund der Steuerzahler erachtet es als unbedingt notwendig, die Personalkosten und die Stellenpläne zu durchleuchten, hat doch die Beschäftigung der mittlerweile entlassenen Lebensgefährtin von Präsident Klaus Meiser für einigen Wirbel und Peinlichkeiten gesorgt und manch einer fragt sich, ob im LSVS jeder Job seine Notwendigkeit und Berechtigung hat.

c) Fazit

Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler trägt nicht der angestellte und weisungsgebundene Geschäftsführer – er ist lediglich Erfüllungsgehilfe mit etwas mehr Kompetenz – die Verantwortung, sondern gem. § 9 der Satzung das Präsidium des LSVS – das sind aktuell die Damen und Herren Klaus Meiser, Franz Josef Schumann, Franz Josef Kiefer, Lothar Altmeyer, Andrea Pielen, Karin Nonnweiler, Udo Genetsch und Eugen Roth.
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